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Kuhrassen in der Schweiz

Die wichtigsten Rinderrassen der Schweiz

Die Kuhrassen in der Schweiz unterscheiden sich in ihrer Herkunft, ihrem Körperbau und ihrer Fellzeichnung. Auch Temperament und regionale Verbreitung prägen, wie die Tiere auf Schweizer Betrieben gehalten werden. Einige Rassen sind eng mit den Alpen verbunden, andere haben ihren Ursprung ausserhalb der Schweiz. Die folgenden Porträts ordnen die wichtigsten Rinderrassen nach diesen Merkmalen ein.

Braunvieh

Das Schweizer Braunvieh geht auf Rinder aus den zentralen und östlichen Schweizer Alpen zurück. Besonders die Region Schwyz gilt als wichtiges Ursprungsgebiet der Rasse. Von dort verbreitete sie sich zunächst in weitere Landesteile und später über die Landesgrenzen hinaus; heute wird Braunvieh weltweit gehalten. In der Schweiz ist es besonders in Berg- und Voralpengebieten sowie in den östlichen Kantonen verbreitet.

Typisch ist das einfarbige braune Fell, dessen Schattierung von hellbraun bis dunkelbraun reichen kann. Nase und Maul sind meist dunkel, während ein heller Rand um das Flotzmaul auffällt. Kühe erreichen ungefähr 135 bis 145 Zentimeter Widerristhöhe und wiegen häufig etwa 600 bis 750 Kilogramm. Der kräftige, ausgewogene Körperbau passt sowohl zu milchbetonten Betrieben als auch zur Zweinutzung.

Die Eigenschaften des Braunviehs umfassen eine gute Anpassungsfähigkeit und ein meist ruhiges, umgängliches Temperament. Die Tiere werden vor allem wegen ihrer Milch gehalten, können aber auch zur Fleischgewinnung genutzt werden. In Schweizer Rinderzucht und Haltung ist die Rasse sowohl im Talgebiet als auch auf Betrieben mit Weideflächen in höheren Lagen vertreten. Ihre internationale Verbreitung macht sie zugleich zu einer der bekanntesten Schweizer Rinderrassen.

Fleckvieh und Simmentaler

Die Simmentaler Rinderrasse stammt aus dem Simmental im Berner Oberland. Das Tal gab der Rasse ihren Namen und ist bis heute eng mit ihrer Schweizer Herkunft verbunden. Simmentaler werden in der Schweiz und darüber hinaus gehalten; Fleckvieh bezeichnet eine verwandte, in vielen Ländern verbreitete Rassegruppe beziehungsweise Rassebezeichnung.

Das typische Simmentaler Fell ist rot gefleckt, der Kopf bleibt weiss. Auch Bauch und Beine können helle Partien aufweisen. Die Kühe sind grossrahmig und kräftig gebaut; eine Widerristhöhe von etwa 138 bis 150 Zentimetern ist typisch. Ihr stabiler Körperbau unterstützt die klassische Zweinutzung: Die Tiere liefern Milch und eignen sich zugleich für die Fleischproduktion. Damit unterscheiden sie sich von stärker auf eine einzelne Leistung ausgerichteten Rassen.

Simmentaler gelten meist als ruhig und gutmütig, zugleich sind sie beweglich und für Weidehaltung geeignet. In der Schweiz sind sie besonders in ihrem Herkunftsgebiet und in weiteren Regionen mit gemischter Landwirtschaft anzutreffen. Fleckvieh ist als verwandte Bezeichnung in Mitteleuropa und international weit verbreitet; die genaue Fellzeichnung und Ausprägung kann je nach Zuchtlinie variieren. Simmentaler für Milch und Fleisch verbinden so die Herkunft aus dem Berner Oberland mit einer Nutzung, die beide Erzeugnisse berücksichtigt.

Holstein

Holstein stammt von der Nordseeküste, vor allem aus Friesland und Holland. Die Rasse ist daher keine Schweizer Rasse, wird aber auch auf Schweizer Milchviehbetrieben gehalten. Ihr Fell ist entweder schwarz-weiss oder rot-weiss gezeichnet. Die grossen, meist langgliedrigen Kühe besitzen einen tiefen Rumpf und ein ausgeprägtes Euter; ausgewachsene Tiere erreichen ungefähr 145 bis 155 Zentimeter Widerristhöhe.

Unter den Milchrassen weist Holstein die höchste Milchleistung auf. Die Milchleistung Schweizer Kühe dieser Rasse hängt wie bei anderen Rindern von Fütterung, Haltung und individueller Veranlagung ab. Der Körperbau ist deutlich auf die Milchproduktion ausgerichtet und weniger kompakt als bei einer typischen Zweinutzungsrasse. Holstein-Kühe und Milchproduktion werden deshalb häufig gemeinsam betrachtet, wenn die Ausrichtung eines Betriebs beschrieben wird.

Holsteins sind in der Regel ruhig, können jedoch auf ungewohnte Situationen sensibel reagieren. In der Schweiz kommen sie in unterschiedlichen Regionen vor, vor allem auf Betrieben, die auf Milchviehhaltung ausgerichtet sind. Für die Haltung werden Stall und Weide je nach Betrieb kombiniert; die Tiere benötigen ausreichend Platz, Futter und eine passende Betreuung. Ihre Herkunft an der Nordseeküste und ihre heutige Verbreitung in der Schweiz sind klar voneinander zu unterscheiden.

Eringer

Die Eringer Rinderrasse, auch Hérens genannt, stammt aus dem Wallis und gehört zu den traditionellen Kuhrassen der Schweiz. Sie ist klein und kompakt gebaut: Kühe erreichen ungefähr 125 bis 135 Zentimeter Widerristhöhe und wiegen häufig rund 500 bis 600 Kilogramm. Das Fell ist meist dunkelbraun bis schwarz; einzelne Tiere können kleinere helle Abzeichen haben. Eringer sind vor allem im Wallis verbreitet, werden aber auch in anderen Schweizer Bergregionen gehalten.

Die robuste Statur und Trittsicherheit machen die Tiere für steile Alpweiden geeignet. Ihr Temperament ist lebhaft und durchsetzungsfähig, besonders im Kontakt mit Artgenossen. Eringerkühe tragen Rangkämpfe aus, bei denen sie ihre Stellung innerhalb der Herde klären. Diese Kämpfe sind im Wallis als Königinnenkämpfe bekannt und stehen mit dem ausgeprägten Herdenverhalten der Rasse in Verbindung. Die folgende Übersicht fasst Herkunft, Nutzung und Besonderheiten der beschriebenen Rassen zusammen.

Schweizer und weitere Rinderrassen im Vergleich
RasseHerkunftNutzungBesonderheit
BraunviehZentrale und östliche Schweizer Alpen, besonders SchwyzMilch und ZweinutzungBraunes Fell; weltweit verbreitet
SimmentalerSimmental, Berner OberlandMilch und FleischRot geflecktes Fell mit weissem Kopf
FleckviehMitteleuropa; verwandte RassebezeichnungMilch und FleischWeit verbreitete Verwandtschaftsgruppe
HolsteinFriesland und Holland an der NordseeküsteMilchSchwarz-weisses oder rot-weisses Fell
EringerWallisAlp- und WeidehaltungKlein, dunkel und für Rangkämpfe bekannt

Eringer verbinden damit die Walliser Herkunft und die Haltung auf anspruchsvollem Alpgelände mit einem auffälligen Sozialverhalten. Ihre kleine Statur und dunkle Fellfarbe unterscheiden sie deutlich von den grossrahmigen Milch- und Zweinutzungsrassen.

Wofür Rassen gezüchtet werden

Die Zuchtziele richten sich danach, ob ein Betrieb Milch, Fleisch oder beides erzeugen möchte. Neben der Leistung zählen Eigenschaften wie Fruchtbarkeit und Belastbarkeit, denn sie beeinflussen, wie gut Tiere zum Standort und zur Haltung passen. In Berggebieten spielen Zweinutzungsrassen weiterhin eine Rolle, weil Milch- und Fleischleistung dort gemeinsam genutzt werden können. Auf Alpweiden sind zudem Trittsicherheit und die Fähigkeit wichtig, mit dem vorhandenen Futter zurechtzukommen. Bei der Mutterkuhhaltung wiederum steht die Aufzucht eines fleischbetonten Kalbes mit seiner Mutter im Mittelpunkt.

Milchleistung und Zweinutzung

Die Zuchtziele richten sich nach dem geplanten Einsatz: Für Milchbetriebe zählen Milchmenge und Inhaltsstoffe, für Zweinutzungsbetriebe zusätzlich ein verwertbarer Fleischansatz. Leistung, Gesundheit und Fruchtbarkeit werden gemeinsam beurteilt, weil eine hohe Milchmenge allein noch keine dauerhaft wirtschaftliche Kuh ausmacht.

  • Milchbetonte Zucht legt den Schwerpunkt auf eine hohe Jahresleistung und darauf, dass die Kuh diese über mehrere Laktationen zuverlässig erbringt.
  • Milchfett und Eiweiss sind wichtige Inhaltsstoffe: Ein höherer Gehalt verbessert die Eignung der Milch für Käse und andere Milchprodukte.
  • Bei der Fleischqualität zählen ein guter Körperbau, ausreichende Bemuskelung und eine passende Ausschlachtung des Tieres nach der Nutzung.
  • Robustheit zeigt sich im Alltag etwa darin, dass Kühe wechselnde Futterqualitäten und längere Wege zur Weide gut bewältigen.
  • Fruchtbarkeit umfasst regelmässige Abkalbungen und eine problemlose Aufzucht; lange Zwischenkalbezeiten können die Wirtschaftlichkeit des Betriebs belasten.
  • Zweinutzungsrassen verbinden Milch- und Fleischleistung, wobei keine der beiden Eigenschaften so einseitig gewichtet wird wie bei spezialisierten Zuchtzielen.

In Berggebieten können Betriebe sowohl Milch anliefern als auch Kälber oder ausgediente Kühe als Fleisch verwerten. Diese Kombination passt zu kleineren Herden und zur Alpwirtschaft, in der Standortbedingungen und verfügbare Futterflächen die Betriebsform mitbestimmen.

Robuste Rassen für die Alp

Alpweiden stellen andere Anforderungen als ebene, intensiv bewirtschaftete Flächen: Rinder müssen Höhenunterschiede überwinden und mit wechselnder Futterverfügbarkeit zurechtkommen. In der Schweizer Alpwirtschaft zählen deshalb neben der Leistung auch tragfähige Klauen, ein belastbarer Körperbau und eine gute Anpassung an das Gelände.

  • Auf steilen Weiden bewegen sich Tiere über unebenen Boden und schmale Pfade; stabile Beine und Klauen unterstützen sicheres Gehen.
  • Trittsicherheit hilft beim Wechsel zwischen Weideflächen, besonders wenn sich die Herde täglich über Hanglagen und steinige Abschnitte bewegt.
  • Alpweidefutter ist nicht überall gleich dicht oder gleich nährstoffreich; angepasste Tiere können auch weniger üppige Bestände nutzen.
  • Das Rätische Grauvieh ist eine alte Bündner Rasse, die für ihre Robustheit bekannt ist und sich für die Haltung auf Alpweiden eignet.
  • Bei der Auswahl für den Alpauftrieb zählen neben der Rasse auch Klauengesundheit, Kondition und Erfahrung der Tiere mit Weidewechseln.

Das Rätische Grauvieh verbindet die regionale Herkunft mit Eigenschaften, die auf extensiven Bergweiden gefragt sind. Für einen Alpauftrieb müssen dennoch die konkrete Weide, der Zustand der Tiere und die tägliche Betreuung zusammenpassen.

Mutterkuhhaltung

Bei der Mutterkuhhaltung bleibt das Kalb bei seiner Mutter und trinkt deren Milch. Die Kuh wird nicht für den Verkauf gemolken; der Betrieb richtet die Herde auf Kälberaufzucht und Fleischproduktion aus, anders als ein Milchviehbetrieb, der Milch regelmässig gewinnt.

  • Das Kalb nimmt die Milch direkt am Euter auf und bleibt während der Aufzucht mit der Mutterkuh und meist weiteren Tieren zusammen.
  • In der Milchviehhaltung wird die Kuh dagegen regelmässig gemolken; die gewonnene Milch wird verkauft oder zu Milchprodukten verarbeitet.
  • Bei der Mutterkuhherde gehört die Milch zur Kälberversorgung, während das Verkaufsergebnis vor allem von Aufzucht und Vermarktung der Tiere abhängt.
  • Die Kälber wachsen mit der Herde auf und werden nach betrieblichem Konzept später abgesetzt oder zur weiteren Mast übergeben.
  • Milchviehbetriebe organisieren Fütterung und Melken rund um die tägliche Milchgewinnung; Mutterkuhbetriebe planen Weide, Futter und Herdenmanagement für Kuh und Kalb.

Die Betriebsform eignet sich für Landwirtschaft, die ihre Flächen zur Aufzucht von Rindern nutzt und keine Milch für den Verkauf gewinnen will. Entscheidend sind eine verlässliche Kälberaufzucht und die passende Vermarktung der Tiere als Fleisch.

Fragen zu Kuhrassen

Bei Kuhrassen hängen Milchleistung, Hornstatus und Zuchtziel eng mit ihrer jeweiligen Nutzung zusammen.

Welche Kuhrasse gibt am meisten Milch?

Holstein gilt unter den Milchrassen als die Rasse mit der höchsten Milchleistung. Die tatsächliche Menge variiert jedoch von Tier zu Tier und hängt wesentlich davon ab, wie Fütterung und Haltung auf die Kuh abgestimmt sind. Auch die Zucht beeinflusst, welche Leistung ein Tier erbringt. Holstein-Kühe in der Schweiz sind deshalb nicht allein aufgrund ihrer Rasse alle gleich leistungsfähig.

Warum tragen manche Kühe Hörner und andere nicht?

Viele Kälber werden früh enthornt: Dabei werden die Hornanlagen durch Veröden entfernt, bevor die Hörner ausgewachsen sind. Eringer und viele Alpkuhrassen werden dagegen üblicherweise mit Hörnern gehalten. Über die Förderung dieser Haltung wurde 2018 mit der Hornkuh-Initiative abgestimmt; sie verlangte Beiträge für die Haltung behornter Kühe. Die Schweizer Volksabstimmung lehnte die Initiative ab.

Was ist der Unterschied zwischen Milch- und Zweinutzungsrassen?

Milchrassen werden vor allem auf eine hohe Milchleistung gezüchtet, während Zweinutzungsrassen sowohl Milch als auch Fleisch liefern sollen. Das Zuchtziel zeigt sich im Körperbau: Milchrassen sind auf die Milchproduktion ausgerichtet, Zweinutzungsrassen verbinden diese mit einem für die Fleischproduktion geeigneten Körper. Für Betriebe in Berggebieten kann die kombinierte Nutzung beider Erzeugnisse eine passende Grundlage sein. Welche Rasse gewählt wird, richtet sich daher auch danach, wie der Betrieb seine Tiere einsetzen möchte.